Jeder kennt sie. (Fast) alle lieben sie!
Die Beatsteaks haben trotzdem mit einem etwas größeren Problem zu kämpfen: Schlagzeuger Thomas hat Rücken! Welche Lösung liegt da am nächsten? Scheiß drauf? Rausschmeißen / Ersatz besorgen? Sänger gegen Drummer tauschen? Nein, denn Plan B lautete wie folgt:
“Wir freuen uns sehr, mitteilen können zu dürfen, dass wir auf den kommenden Konzerten mit zwei Schlagzeugern auftreten werden. Einer alleine ist bei weitem zu knapp kalkuliert und vier Hände sehen mehr als zwei.”
Das ganze sollte nun am 20.07.12 innerhalb einer intimen “Two Drummer Summer” Warm-up-Show im 1500-Mann kleinen Docks zu Hamburg stattfinden.
Nachdem wir irgendwann mittags fast die Bimmelbahn am Berliner Hauptbahnhof verpasst haben, sind wir letztendlich doch nach mehr als 4 Stunden Fahrt in Hamburg angekommen. Und mit uns der Regen. Doch pünktlich zum Best of Sightseeing an den geliebten Landungsbrücken und später auf der Reeperbahn kam doch noch die Sonne heraus.
Kurz gewartet, am unfreundlichen Personal vorbei, bis hin zum perfekten Platz direkt links vor der Bühne, standen wir nun also 2 Köpfe über dem restlichen Publikum. Konnte losgehen… Vorband waren „Tusq“, die ich schon vorher kannte und deren Indie-Rock inklusive Akkordeon spielenden Frontmann vom Beatsteaks-Publikum sehr gut angenommen wurde.
Nachdem man eine halbe Stunde mit dem Kopf genickt, mit dem Bein gewippt und überwiegend mit der Vorband sympathisiert hat, kam es langsam zur entscheidenden Phase des Konzertes. Endlich wurden zwei identische Schlagzeuge entblöst! – Die Spannung stieg.
„You dont’t guess my name but I’ve come to rearrange. Gotta put yourself at ease. I do exactly as I please“. Ich verlor direkt mein Gleichgewicht, weil die Menge einfach komplett ausrastete. Es folgten an die zwei Stunden mit einer Mischung die querbeet durch alle 6 Alben ging. Der durchschnittliche Konzertgänger tat derweile alles, um komplett durchzudrehen, egal ob zu „Fix It“, „Shiny Shoes“ oder „Hail To The Freaks“. Mir war es kaum möglich auf der Stelle stehenzubleiben, um das Spektakel von außen zu beobachten. Die Welle aus dem Innenraum brachte mich des öfteren fast zu Fall und es dauerte nicht lange, bis meine Gliedmaßen komplett nass waren. Es war nicht mein Schweiß. Pfui.
Einigen mag das grandiose Bild vielleicht erst zu einem späteren Zeitpunkt aufgefallen sein, doch der Blick an Arnim vorbei lohnte sich gewaltig: Wie gut sahen denn die teils synchronen Herren hinter den Trommeln aus?! Wären wir nicht eines besseren belehrt, könnte man denken, dass Thomas und Dennis zu einer Person zusammengeschweißt wurden. Wahnsinnig gut! Und damit meine ich auch den Sound, der, wie unser einer schon vorher vermutete, wirklich um einiges fetter klang. ‘Thumbs up’, würde der moderne Internetnutzer schreiben.
Als Sahnehäubchen für Hamburg wurde an jenem Abend “Twist and Shout” von den Beatles gecovert. Hier der Beweis:
Dennoch gibt es diese Lieder, die ich einfach nicht mehr hören kann, aber trotzdem gespielt werden müssen. Nach “Hand in Hand” und “Hello Joe” wurde uns in der ersten Zugabe ein wunderschönes, akustisches “House on Fire” mit Thomas am Klavier dargeboten und schlussendlich machte der Tag der Coverversionen eh alles wieder wett: Meinem Lieblingslied “Frieda und die Bomben” folgte “Sabotage”, das unsere Ohren bestimmt seit einer halben Ewigkeit nicht mehr zu hören bekamen. Das Konzert schien mit “I don’t care as long as you sing” zu Ende gebracht. Die Hintergrundmusik wurde schon längst eingeschaltet, doch die Buletten stürmten ein letztes Mal auf die Bühne um “To be strong” zu spielen. Ein perfekter Abschluss eines grandiosen Konzertes!
Um drei Uhr in der Früh, ging es mit dem elendig lahmen Nahverkehr wieder in Richtung Heimat.
Eileen.