Auch in diesem Jahr sollte es zwei Warmup-Shows der Toten Hosen geben, bevor es zu Rock am Ring und dem Zwillingsfestival Rock im Park ging. Doch anders als im Jahre 2008, in dem man in Hamburg und Berlin spielte, suchte sich die Band zwei Spielorte aus, die alles andere als nah beieinander lagen, aus: Frankfurt an der Oder – direkt vor der polnischen Grenze – und Innsbruck – direkt hinter der Österreichischen Grenze.
Man könnte meinen, dass man für solch eine Distanz zwischen zwei Konzerten eine ungefähre Planung haben sollte. Nun ja, hatten wir auch – drei Tage vor dem ersten Konzert wurde dann alles noch einmal umgeschmissen und so passierte es, dass ich an einem Samstagvormittag vor der Halle saß, um möglichst kostengünstig von Berlin aus zum Konzert zu kommen, und mir einen Sonnenbrand zu holen.
Bereits gegen 11:30 saßen bereits gut 20 Leute am Tor zum Gelände – mehr als Wochen zuvor bei den Ärzten. Ohje, wo soll das noch hinführen? Da ich nicht nach vorne wollte, hieß es warten, warten, warten und die ganze Szenerie bestmöglich zu genießen. Also beobachteten wir wie nach und nach Bier- und andere alkoholisch Flaschen geleert, Einweggrille gekauft und Würstchen gebraten wurden. Nach und nach kamen immer mehr Leute mit immer mehr bekannten Gesichtern und mit ihnen auch eine unendlich große Vorfreude auf das Konzert.
Da keiner von uns wirklich scharf auf Wöllis Auftritt war, ließen wir uns Zeit ich betrat pünktlich zum letzten Song „Alles nochmal von vorn“, bei dem auch Campino die Bühne enterte, die Halle. Bereits als es daran ging, auf die Hosen zu warten, machten wir Bekanntschaft mit dem so genannten Publikum im Osten, das ja generell ein wenig eigen sein soll. Unnötiges Gerempel von den einen und aggressive Reaktionen, wenn man deswegen einmal gegen seinen Nebenmann stieß.
Gegen 21:00 Uhr erklangen die Töne von „You’ll never walk alone“, gefolgt vom Album Intro „Drei Kreuze (dass wir hier sind)“, welches nahtlos in „Ballast der Republik“ überging. Besser konnte der Abend schon nicht mehr starten! Nachdem „Altes Fieber“ als untauglich zum Fahnenchwenken erprobt wurde, wollte ich eigentlich nur noch aus der Menge raus an den Rand und entschied mich für’s Crowdsurfen. Dass dabei gerade „Heute Hier Morgen Dort“ lief, stellte sich als ein Fehler mit Folge heraus, der mich aus gut zwei Metern auf den Boden krachen ließ. Draußen angekommen, ging es dann dank einem aufmerksamen Security erst einmal ins nächste Sani-Zelt. 12 Lieder und eine Diagnose namens „Hüftprellung“ später ging es dann wieder in die Halle. Dieses Mal blieb ich am Rand.
Immerhin reichte es noch für die Zugabe, die mit „Draußen vor der Tür“ eingeleitet wurde. Wenn ich ehrlich bin, vermisse ich dank diesem Lied „Nur zu Besuch“ kein bisschen. Es ist jedes Mal ein unglaubliches Gänsehauterlebnis, wenn die ganze Halle diesen Song mitsingt! Auch die Reaktion auf „Schrei Nach Liebe“ sorgt bei mir nach wie vor für grinsendes Kopfschütteln. Kam es nur mir so vor, als ob der Song am heftigsten abgefeiert wurde? Besonders viel Spaß machte uns auch „Vogelfrei“, das meiner Meinung nach unbedingt im Set bleiben muss!
Nach ganzen 33 Songs endete das Konzert und mir fiel gar nicht groß auf, dass ich ein ganzes Drittel draußen verbracht hatte.
Nachdem wir am darauf folgenden Tag erst einmal Richtung Kerpen aufgebrochen waren, trafen wir am Montagmorgen gegen 01:00 Uhr auf unseren Reisebus! Ja, richtig gehört, es gab einen, von einem Fan organisierten, Reisebus, der erst nach Frankfurt (Oder) gefahren war und nun die Reise nach Innsbruck fortsetzen sollte.
Neben Live-DVDs und CDs der Toten Hosen, gab es auch einen Akkordeon-Spieler an Board, der nicht nur die Klassiker, sondern alte Songs wie „Ehrenmann“ zum Besten gab. Meinen Spitznamen „Pennsocke“ habe ich nicht unverdient und so schlief ich zu den lieblichen Akkordeon-Klängen ein. Frankfurt, Karlsruhe, Ulm – irgendwann gegen 11 Uhr morgens trafen wir schließlich in Innsbruck ein, wo sich unsere Wege trennten. Wir entschieden uns erst einmal dafür, Innsbruck mit einer Pferdekutsche zu erkunden. Im Anschluss daran musste der erste Hunger gestillt werden, also suchten wir die nächste Würstchenbude auf. Auf dem Weg dorthin trafen wir erst einmal auf Kuddel, an der Bude selbst, gesellte sich Andi zu uns, um ebenfalls eine zu bestellen. So klein ist also die Welt!
Nach der ersten Stärkung und immer mehr bekannten Gesichtern, entschieden wir uns für einen Biergarten, der unweit vom Dogana lag und wo wir direkt noch auf weitere bekannte Gesichter trafen. Letztendlich verbrachten wir den gesamten Nachmittag dort und das Treffen erreichte gegen 17:30 Uhr seinen Höhepunkt, als gut 30 Hosenfans (oder auch mehr) zusammen gekommen waren, eine Runde nach der nächsten bestellten und ein Hosen-Lied nach dem nächsten anstimmten. Das Personal nahm es gelassen, begann nun aber nach jedem Getränk abzukassieren und bat einige angetrunkene Fans, doch bitte von den Tischen zu gehen.
Kurz vor acht machten wir uns dann auf den Weg ins Dogana und die ersten beiden Katastrophen kündigten sich an: Es gab nur zwei völlig überfüllte Getränkestände und das Bier schmeckte nach allem, aber nicht nach Bier. Mit Pepsi bewaffnet sah ich mir Wölli & die Band des Jahres an. Auch an diesem Abend war es der Song mit Campino, der für die größte Stimmung sorgte. Ein bisschen schade, aber solange Wölli da oben seinen Spaß hat, ist ja alles in Ordnung.
Gegen 21:00 Uhr dann wieder das Intro „Drei Kreuze“ mit dem Übergang zu „Ballast der Republik“ – die Vorfreude auf den Ring ist mittlerweile sehr groß und wenn das Intro dort nicht ankommt, dann weiß ich auch nicht! Da ich mir in Innsbruck das Crowdsurfen verkniff, bekam ich auch Lied wie „Rock Me Amadeus“, „Halbstark“ und „Raise Your Voice“ mit! Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich auf der letzten Tour permanent in der ersten Reihe stand und nun darauf verzichte, aber der Fangesang der letzten Tage, besonders bei den neuen Stücken, war gewaltig! Vor allem die Live-Version von „Tage Wie Diese“ ist dabei kaum zu übertreffen. Und dieses Mal setzte sich das Publikum incl. Campino und den Securitys im Graben dafür auch hin. Ein schöner Anblick!
Ein bisschen enttäuscht war ich, dass Campino bei Paradies wieder jemand auf die Bühne holte, der sich zu unserem Amüsement auch noch total blamierte. Aber irgendwie war das doch eher 2009. Dafür folgte mit „Freunde“ mein Highlight des Abends. Nicht nur, dass ich auf Schultern stehend Fahne schwenken durfte – nein, mir riss auch noch die Hose so richtig! Irgendwas ist eben immer. Der zweite Zugabenblock mit „Alles aus Liebe“, „Opel-Gang“, „Jägermeister“ und „Schönen Gruß“ war dann ein bisschen schwach.
Aber immerhin gab es noch einmal „Wort zum Sonntag“. Seit dieser Tour gewinnt das Lied für mich einfach Abend für Abend an Bedeutung. Großartig! Mit dem anschließenden „You’ll never walk alone“ fand auch dieser Abend sein Ende. Danke an alle, die ich in den Tagen wieder treffen oder gar kennen lernen durfte – es war eine kurze, chaotische und harte Tour. Aber es hat sich gelohnt!
Jetzt heißt es noch kurz Luft holen, ehe es heute zu den Donots nach München und morgen zum Ring und/oder in den Park geht! Man sieht sich!
Arabell




ach du bist die, die so penetrant versucht, bei jedem Lied die Fahne zu schwenken und sich zu präsentieren… :-/
“penetrant” “bei jedem Lied” – Nein, da musst du mich verwechseln. An jedem Abend nur bei jeweils einem Lied. Und die Absichten sind dabei auch etwas komplett anderes – hast du offenbar nicht verstanden. Naja, macht ja nichts