Ausnahmsweise ist es durchaus angebracht als erstes über das Wetter zu berichten, denn das war ziemlich scheiße. Schnee! Und ich dachte, wir wären dank Klimawandel drumherum gekommen.
Mit rot angeschwollenen Fingern betrat ich also am Sonntag, den 29. Januar 2012 das Ramones Museum in Berlin-Mitte. Ja, ein Museum. Nein, nicht so ein stinknormales Museum, in dem es verboten ist zu essen und sich in normaler Lautstärke zu unterhalten. Das Ramones Museum ist so etwas wie ein Headquarter für Punkrock zwischen trödelnden Touristen. Warum es für meine Crew das MacLauren’s bei “How I met your mother” ist, erzähl ich ein anderes Mal.
An diesem Abend versammelten sich jedenfalls Menschen an diesem historischen Ort, um Cryssis live und akustisch zu sehen. Für umme – ha!
“Cryssis – ist das nicht die Band mit Vom von den Toten Hosen?”
Also waren die Menschen dort, weil…
a) es umsonst, warm und das Bier preiswert war
b) sie ihren Freunden berichten wollten, wie klein Vom in Wirklichkeit ist
c) sie gute Musik aus London/Deutschland hören wollten
Butter bei die Fische, wie man im Norden zu sagen pflegt: Mein Bedürfnis war anfangs nicht groß die Band zu sehen. Mich graute es vor Hosen-Fans, die nach dem Schlagzeuger ihrer musikalischen Väter gröhlten. Doch scheinbar war denen es zu kalt, denn viele davon sah man nicht.
Man musste die Band nicht vorab kennen, um sie an diesem Abend zu lieben. Und so ein Konzert zwischen Ramones-Erinnerungsstücken muss nicht einmal voll besucht sein, damit man es in Erinnerung behält.
Als Vom Ritchie feststellte, dass seine High Hat “vull in Arsch” ist, improvisierte er. Oller Profi, der. Zwei Menschen aus dem Publikum versuchten sich an einer fixen Reparatur. Ein Wunder, dass das Teil wieder (immer noch kaputt) aufgetaucht ist. Damit hätten sie bei eBay reich werden können!
Daher wurde jemanden ein Tamburin in die Hand gedrückt, der scheinbar selbst in der Grundschule als zu unfähig dafür ernannt wurde. Als ein weiterer Fan scheiterte, schämte ich mich kurz fremd.Wie kann man nur so penetrant gegen den 4/4 Takt schlagen? Vielleicht sollte man das mal mit einem Holzkochlöffel gegen den Hinterkopf nachholen. Gerettet wurde der Mann mit den roten Flecken auf dem Kopf vom Besitzer des Museums, Flo Hayler.
Neben den ganzen kleinen Anekdoten, brachte der Pimmelwitz alle zum Lachen. Also, Dick York (Sänger) spielte seinem Schlagzeuger neue Songs vor und der verstand statt “Cold wind blowing in my face” einfach “Coming on my face”. Es war der – wie sagt man heutzutage? – Running Gag des Abends. Selbst während anderer Songs riefen Leute die Zeile rein, ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen. Witze über primäre Geschlechtsmerkmale, das ist mein Niveau!
Obwohl mein Fernweh nach London durch das Konzert größer wurde, nahm dank Cryssis meine Sonntagsdepression ein gutes Ende und ließ mich leicht angetrunken in den von so vielen gefürchtete Montag schwanken. Hach, “Now I’m home again.”
Franzi