Samstagmorgen, 11:00 Uhr: Zu so einer unchristlichen Zeit klingelt der Wecker an solchen Tagen selten. Es war der 28.01., und der morgen nach dem Tapetenwechsel und einer langen Nacht im Rosis. Doch irgendwie konnte ich mich aufrappeln, was wohl schlicht und einfach an der großen Motivation lag, Portugal. The man live sehen zu können!
Gegen 13:00 Uhr wurde sich am schönsten Ort Berlins getroffen: Das Ramones Museum. All die üblichen Verdächtigten waren da und außer ihnen jetzt schon viel zu viele andere Leute. Am Ort des Geschehens wurde noch fleißig rumhantiert gewerkelt und gesoundcheckt, bis auch der letzte, der in irgendeiner Weise von dem technischen Kram eine Ahnung hatte, zufrieden war. Die Menschenmenge staute sich schon im Café Mania. Und überraschenderwiese sahen die alle so fit aus! Verrückte Hauptstadthippies…
Wir standen direkt am Einlass zum Herzen des Museums und ich konnte mich gar nicht wehren, als ich einfach immer weiter nach vorne geschoben wurde, nachdem wir das ‘Go’ zum Betreten bekamen. Schnell gab es kein vor und zurück mehr, aber ich war ganz zufrieden mit meiner Situation. Wenigstens hatte ich heute die gute Kamera bei. Planmäßigum 13:30 Uhr, in Wahrheit wohl einige Zeit später fiel der erste Ton. Ziemlich untypisch für Ramones Museum-Verhältnisse, was aber an der Tatsache lag, dass die Band einige Stunden später die Black Keys in der Arena supporten würde. Ich leide immer noch nachwirkend an meiner chronischen Armut und dem vergleichsweise hohen Ticketpreis.
Vor mir, auf der kleinen Empore, saßen nun fünf relativ jung wirkende Typen, die, wenn man an ihnen herab sah plötzlich immer älter wurden, was zumindest den Sänger und Keyboarder anbelangt und in erster Linie die 3/4 Hosen, Mokkasins und hochgezogenen Socken bewirkten. Frisch geklaut aus dem Moderepertoire vom Uropa – Heutzutage Indie genannt.
So richtig konnte ich mich bisher auch nicht mit den Amerikanern anfreunden. Ab und zu mal hier, mal da und meist zufällig ein Lied gehört, doch dieser Nachmittag sollte eine Wende hervorrufen. Plötzlich steht auch noch Thomas Götz von den Beatsteaks neben mir, egal, denn die Band beginnt so eben ihren Auftritt mit “So American” – eines von wenigen Stücken, das mir vorher schon geläufig war – und von nun an sollte jedes Augenmerk nur noch auf sie gerichtet sein. Ich bin/war ja in erster Linie überaus geflasht von dieser Stimme, wie sie unverwechselbarer kaum sein könnte.
John Gourley, der Sänger, welcher auf der einen Seite so sehr von der Natur geküsst wurde, dass man von der Schönheit schon alleine geblendet war und auf der anderen Seite, diese unglaublich hohe Stimme hatte, die, wenn man deren Besitzer nicht sehen würde, bestimmt das ein oder andere Mal mit Weiblichkeit assoziiert worden wäre. Unfassbar, wie so etwas schönes und ausergewöhnliches den Mund dieses Mannes verlassen konnte.
Es wurden ca. 10 Lieder zum Besten gegeben und mit so einem langen Auftritt hatte wohl auch kaum jemand gerechnet. Gespielt wurden vorwiegend bekanntere Nummern wie „The Sun“, „1989″, „Floating (Time Is Not Working My Side)“ oder „People Say“. Nach jedem Song musste die Band sich erneut beraten, wie es denn nun weiter geht. Wie sagten sie so schön: Die Black Keys lieben diese kurzen Beratungspausen. Eine Setlist gab es nicht und der ein oder andere Publikumswunsch wurde auch erfüllt. Generell waren die Jungs guter Laune. Als der Sänger die letzte Songzeile eines Stückes einfach ausließ, war der Keyboarder für einen kleinen Moment dazu gewungen ganz alleine weiter zu singen. Alle lachten und John wurde kurzerhand mit einem ordentlichen Hieb zurechtgewiesen. Sinn für Humor durfte ihnen also auch angehangen werden.
Zugaben wurden natürlich gewährt, ganze zwei gab es davon. Als der Auftritt vorbei war, erkannte man glückliche Gesichter wohin das Auge sah! In meinem Kopf werde ich dieses Erlebnis als eines der Top-Ramones-Museum-Konzerte behalten. Was übrig bleibt, ist das akribische und nicht identifizierbare Kunstwerk an der Wall of Fame im Museum, und mein Tipp sich diese Band unbedingt einmal zu Gemüte zu ziehen!
Eileen
