Wir schreiben den 28. Dezmeber 2011 – genau eine Stunde vor dem regulären Einlass werden Ully und ich von Tourmanager Beli vor dem Rosenhof in Empfang genommen. Wenige Augenblicke später bereten wir zu dritt den Backstageraum, in dem Gitarrist Alex und Bassist Purgen sitzen und werden mit den Worten “Das sind Arabell und…” – “Ach, die kennen wir doch schon!” in Empfang genommen. Diese Begrüßung war der Startschuss für das vorletzte und gleichzeitig eines der wohl lustigsten Interviews des Jahres. Unsere Gesprächsthemen reichten da von JAK-Tradition, über das kommende Jahr, bis hin zum neuen Album! Da die Antworten jedes Mal ziemlich ausführlich waren, präsentieren wir euch das Interview in zwei Teilen. Also Vorhang auf für Teil No. 1!
LT: Ihr veranstaltet mittlerweile seit elf Jahres dieses Jahresabschlusskonzert in Osnabrück, welche Bedeutung hat diese Tradition für euch?
Alex: Weißt du, wie das entstanden ist? Das war eigentlich nur aus der Not geboren, weil wir vor, ich glaube auch, elf Jahren haben wir hier in Osnabrück bei der Maiwoche ein Open-Air gespielt. Das wurde aber nach drei Songs abgebrochen, weil das so ‘ne Art Schlauch war… Es war total überfüllt und es sind Barrieren gebrochen, es gab Verletzte und wir mussten jedenfalls aufhören zu spielen. Der Veranstalter von der Maiwoche hat dann gesagt: “Passt auf, das ist total scheiße”, es waren halt echt tausende Leute, die da extra gekommen waren, “Wir machen das Konzert nochmal, am Ende des Jahres und umsonst für alle im Hydepark”. Das war 2001, oder nein 2000 müsste das dann schon gewesen sein, ich weiß nicht genau. Dann war das erste Jahresabschlusskonzert quasi schon vor der Pocket Rock! Das ist ja abgefahren! Warum waren dann denn so viele Leute beim Konzert!?
Purgen: Weil’s umsonst war! (Gelächter)
Alex: Ja und das hat so einen Spaß gemacht, dass wir gedacht haben: Das müssen wir fortsetzen. Umsonst konnten wir das dann natürlich nicht mehr machen, aber deswegen gibt es das jetzt schon seit ewigen Jahren…
Purgen: Das Geile ist ja, dass wir letztes Jahr zwei gemacht haben und selber vergessen haben, dass es das zehnjährigen Jubiläum ist! Was man ja auch gut hätte sagen können…
LT: Und nun zurück zur Frage: Welche Bedeutung hat diese Tradition nun mittlerweile für euch?
Alex: (lachend) Ahhh, sehr professionell!
Purgen: Super! Es gibt eine sehr gute und eine nicht so gute Seite. Die sehr, sehr gute ist, dass es immer wahnsinnig viel Spaß macht – jedes Mal! Es ist fast immer ausverkauft, letztes Jahr gab es dann wie gesagt auch zwei. Ich hab das Gefühl, dass fast immer die selben Leute da sind, quasi wie so ein Familien-Ding. Von daher ist es auf der guten Seite jedes Jahr ein Hammer Spaß und ein guter fest geplanter Auftritt!
Schlecht ist das Datum, weil es eben immer zwischen Weihnachten und Neujahr liegt. Man kann immer gerade so die Familienfeste abgrasen, muss sich dann aber auch schon immer wieder zum Proben treffen, weil wir auch immer ein spezielles Set machen, was nicht der normalen Tour entspricht oder dem, was wir davor gespielt haben. Das heißt, es ist immer ein bisschen stressig für uns.
Und man kann eigentlich auch nicht längerfristig über Silvester wegfahren, weil immer wenn Freunde oder so wegfahren, heißt es: Ja, aber wir müssen jetzt erst noch am 28. oder 29. das Konzert spielen und können danach erst los. Von daher immer ein lachendes und ein weinendes Auge. Aber trotzdem weiß ich, dass wir uns immer kurz darüber ärgern, dass wir proben müssen, aber immer nach dem Konzert versöhnt sind, weil es jedes Mal geil wird.
Alex: Vor allem ist es man hier auch immer total aufgeregt, weil das ganz lange immer unser größtes Konzert war. Und da es quasi fast zuhause ist, war das schon immer ganz ordentlich! Ich hab eben nachgeschaut: Es ist tatsächlich das elfte Mal – da haben wir tatsächlich das 10-jährige Jubiläum verpennt. Tja, dafür Ärger von den Leuten bekommen, weil wir zwei Konzerte gemacht haben. (Gelächter)
LT: Im kommendem Jahr werdet ihr nun auch eine neu aufgekommene Tradition fortsetzen und am 15.12. bereits das dritte Jahr infolge in der Halle Münsterland spielen. Beide Termine rücken bereits immer näher zusammen und wenn man es genau nimmt, dann sprechen beide Termine die gleiche Region an. Müssen Donotsfans nun Angst haben, dass das JAK früher oder später vom Grand Münster Slam geschluckt wird?
Alex: Wir hatten uns das tatsächlich schon überlegt, ob das nicht sinnvoller wäre, weil a) das Jahresabschlusskonzert immer so superschnell ausverkauft ist, es b) terminlich für uns gesehen so doof liegt. Aber wir sind dann letztendlich zum Entschluss gekommen, dass man das nicht einfach so wegwerfen kann, weil es einfach so eine gute Tradition ist. Stattdessen wird Münster wahrscheinlich jetzt immer dieses große Konzert und Osnabrück eher einen noch spezielleren Charakter bekommen soll.
Nächster Jahr wollen wir ja dann auch die “Amplify the good times” zum 10-Jährigen spielen und wir wollen dann auch sehen, dass man wirklich ganz spezielle Setlisten spielt. Dass das so der Unterschied zwischen der Halle Münsterland und dem Jahresabschlusskonzert wird.
LT: Für dieses Jahr habt ihr euch für das JAK vorgenommen, die gesamte “Pocket Rock” zum 10-Jährigen zu spielen. Wie sehr freut ihr euch darauf, wieder die alten Songs zu zocken?
Alex: Das ist schon abgefahren. Ich meine, einen großen Teil spielen wir ja eh weiterhin.
Purgen: Ich hab mich gewundert, wie viel wir davon wirklich noch spielen. Wir haben extra für den Abend geprobt und es gab ein paar Songs, die wir fast noch nie oder wirklich noch nie live gespielt haben. Aber ich glaube wir spielen über die Hälfte eh regelmäßig. Von daher war das jetzt nicht so das große Problem, aber es gibt so ein paar Kandidaten, die wir aus guten Gründen (lacht) noch nicht live gespielt haben. Es ist natürlich spannend. Das gute ist, dass das ganze Set für uns wahrscheinlich mega kurzweilig sein wird. Wir spielen ganz viele Songs in der Reihenfolge der Platte, sodass es eine Setlist wird, die wir noch nie so gespielt haben. Und wenn die Platte durch ist, haben wir noch die ein oder andere Überraschung…
Alex: Backstabbing spielen wir noch…
Purgen: Ja, jetzt keine Überraschung mehr.
Alex: Hab ich ja auch schon bei Facebook gepostet…
Purgen: Hast du schon gepostet? Ach immer dieses Facebook-Posten… Ach Gott, oh Gott… (Gelächter) Naja dann spielen wir noch die ein oder andere Sache und dann… dann geht es an die Gläser! (Erneutes Gelächter)
LT: Es gibt Bands, die über ihre alten Songs sagen, dass sie die an und für sich noch spielen würden, aber nicht mehr so ganz hinter den Texten stehen können. Wenn man sich jetzt eure Setlisten ansieht, dann ist das bei euch wohl nicht der Fall, ihr spielt ja immernoch viele alte Songs…
Alex: “What ever happened to the 80s”, was wir immer noch spielen, würde Ingo wahrscheinlich heutzutage nicht mehr so schreiben, weil’s einfach so ein Spaßsong ist. Aber es macht Spaß zu spielen und die Leute haben Spaß dabei…
Purgen: Ich glaube, wir haben uns noch nicht so in die Nesseln gesetzt, dass wir da ideologisch nicht mehr dahinter stehen könnten. Klar ist das eine vielleicht weniger tiefgründig als das andere – das liegt bei “What ever happened to the 80s” auf der Hand – aber trotzdem reißen wir uns deswegen kein Bein aus. Ich finde eher die Entwicklung dieses Songs, “What ever”, ziemlich lustig.
Anfangs war es eine Single, die die Leute gezogen hat. Dann fingen die Leute an, über den Song zu kotzen, weil sie ihn zu oft gehört hatten, ihn scheiße fanden und es ist irgendwie Poppunkmist und bla bla bla. Dann war er eine gewisse Zeit fast schon verpönt und jetzt ist es lustig zu sehen, dass er so eine Art Evergreen oder Oldie geworden ist. Die Leute kommen wieder nach vorne gerannt, erkennen den Song und denken “Boah, da hab ich gerade Abi gemacht” oder irgendwie sowas. Der hat jetzt ein ganz anderes Standing als früher, was ich sehr lustig finde, weil man das selber alles miterlebt hat.
Aber ich kann’s nachvollziehen, es ist bei mir genauso. Ich hab ‘ne ganze Zeit über die gesamte “Dookie” abgekotzt, weil ich sie nicht mehr hören konnte und jetzt freue ich mich über jeden Song, den sie live spielen.
Fortsetzung folgt…
Das Interview führte: Arabell Walter
Fotos: Ully Pröschild


[...] Im zweiten und letzten Teil unseres Donots-Interview aus dem letzten Dezember wollten wir unter anderem wissen, was uns mit dem neuen Album erwartet, was eigentlich aus der Idee mit dem Fotobuch zur vergangenen Tour wurde und warum die Jungs eigentlich so selten im Ausland unterwegs sind. Teil 1 des Interviews findet ihr hier. [...]